Immer wieder die gleiche Geschichte

Liebe Gemeinde, das Geschichtenerzählen ist hier keine große Tradition mehr- leider!

In andern Kulturen wie in Westafrika aber ist es noch eine große Tradition. Dort gibt es die Griots, die Geschichtenerzähler, die mit ihren Gitarren in die Dörfer kommen, wie Stars gefeiert werden und Geschichten vortragen. Auch haben sie die Aufgabe Streit zu schlichten. Der Beruf des Barden ist hier in Deutschland schon lange ausgestorben und das Geschichtenerzählen ist auf der Stecke geblieben- leider, denn Kinder hören so gerne Geschichten. Bei den Größeren nehme ich eine richtige Geschichtsverdrossenheit wahr. Vielleicht stellt die Weihnachtszeit eine Ausnahme dar, aber sonst merke ich es stark: diese Geschichtsverdrossenheit. Allein das Wort „Geschichte“ scheint schon fast negativ besetzt zu sein. „Erzähl mir keine Geschichten!“ bedeutet so viel, wie erzähl mir keinen Schmarrn! Über lästige Personen, die viel erzählen, sagen wir auch, dass die Geschichten erzählen, Geschichten, die niemand hören will. Wenn wir jetzt mal ein Blick auf das Geschehen in der Welt werfen: Immer wieder die gleiche Geschichte! Despoten verfallen nationalistischen Allmachtsphantasien, unterdrücken die Menschen in ihrem Land und überfallen andere Länder. Das gab es doch schon mal. Geschichte wiederholt sich. Immer wieder die gleiche Geschichte! Same old story! Und ich - immer wieder die gleiche Geschichte: So vieles nagt an mir, so vieles gelingt mir immer noch nicht. Liebe Gemeinde, jetzt zu Weihnachten, da hören wir immer wieder die gleiche Geschichte und das ist gut so. Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass sich alle Welt schätzen ließe … Eine großartige Geschichte! Gott wird Mensch und will uns ganz nahe sein. Auch diese Geschichte wiederholt sich immer wieder, Gott sei dank! Das Kommen Jesu auf diese Welt ist die schönste Liebesgesichte der Welt. Das Schöne an ihr ist, ist dass wir alle darin vorkommen. Weil uns Gott so liebt, schenkt er uns seinen Sohn. Jesus, heißt dieser Sohn, das bedeutet „Gott hilft.“ Diese Geschichte hat meine Geschichte vor mehr als 2000 Jahren zu einer guten Geschichte gemacht. Ich glaube daran! Wie wir diese Geschichte aufnehmen sollen, macht Maria für uns vor. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. So wie wir diese Geschichte mit unseren Ohren hören, so müssen wir sie auch mit unserem Herzen hören und darin aufnehmen: Den Inhalt dieser Story zu Herzen nehmen, uns von Gott geliebt fühlen, auch dann oder gerade wenn wir uns nicht so liebenswert fühlen, seinem Wort an uns Vertrauen schenken. Es verinnerlichen und veräußerlichen. Selbst ein Zeichen der Liebe setzen. Unsere Geschichte, unsere Geschichten in seiner Heilsgeschichte erzählt wissen. Unser Leben ist so viel mehr! Mit „e“ und mit „ä“, denn wie dichtet Luther: „Vom Himmel hoch, da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär, der guten Mär ich bring so viel, davon ich singen und sagen will.“ 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!

Liebe Grüße,

Simon Stritar

 

 

 

 

 

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Es ist ein Widerspruch, der gar nicht größer sein kann: In einer Kirche, die sich Nächstenliebe und Hilfe für Schwache auf die Fahnen schreibt, wurde vielen Menschen sexualisierte Gewalt angetan von Kirchenmitarbeitenden. Dabei können wir uns nicht im Windschatten der katholischen Kirche ausruhen. Auch in der ELKB wurden seit 1950 bislang 166 Fälle gemeldet, diese Zahl umfasst gemeldete Übergriffe und strafrechtlich relevante Taten. Das beschäftigt und beschämt uns.

Was passiert nun? Die Landessynode hat Ende 2020 ein Präventionsgesetz  erabschiedet; eine Selbstverpflichtung, alle Arbeitsbereiche in Kirche und Diakonie auf Risiken zu überprüfen und Vorkehrungen zu treffen, damit sexualisierte Gewalt erst gar nicht passiert – oder, wenn doch, rasch und konsequent gehandelt wird.

Ein Präventionsteam führt Schulungen in allen Bereichen der Landeskirche durch, sensibilisiert so für das Thema und hilft bei der Erarbeitung von Schutzkonzepten. Auch unsere Kirchengemeinde wird ein solches Schutzkonzept erarbeiten – nicht, um es in einer Schublade abzulegen, sondern um das Thema wach und präsent zu halten.

Eine EKD-weite wissenschaftliche Studie des Forschungsverbunds ForuM hat auch Einsicht in die Akten der bayerischen Landeskirche. Sie soll herausfinden, welche Strukturen in der Kirche sexualisierte Gewalt begünstigen.

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bittet Betroffene, sich zu melden (bei der Ansprechstelle für sexualisierte Gewalt - sie ist erreichbar unter Telefon unter 089 5595-335 oder per Email: AnsprechstelleSG@elkb.de). Betroffene werden dort beraten und unterstützt – etwa durch Therapiestunden oder einen unabhängigen Anwalt. Betroffene, deren Fall strafrechtlich verjährt ist, können durch die Unabhängige Kommission finanzielle Anerkennungsleistungen erhalten. Diese mit Fachleuten besetzte Kommission vergibt Leistungen bis zu 50.000 Euro.