Angedacht

Geschwister haben es nicht immer leicht, …!

Viele Geschwistergeschichten gibt es in der Bibel. Dass es dabei nicht immer harmonisch zugeht, steht außer Frage – eben wie im wahren Leben! Denken wir nur an Kain und Abel.

Sie sind die ersten beiden Geschwister der Menschheitsgeschichte. Der eine ermordet den anderen aus Neid. Isaak und Ismael. Sie sind Halbbrüder. Der eine von der Magd Hagar geboren, der andere von Sara, der Frau Abrahams. Um Konflikten zwischen dem Erstgeborenen und dem jüngeren Sohn vorzubeugen, wird Hagar mit ihrem Sohn Ismael im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt. Jakob und Esau. Unterschiedlicher können Geschwister nicht sein: Esau, geschickt bei der Jagd und Vaterkind, Jakob, der Liebling seiner Mutter. Jakob ist zart und verletzlich, aber schlau: Für eine warme Mahlzeit erschleicht er sich das Erstgeburtsrecht und später, mit Hilfe einer List, den Segen des blinden Vaters. Aber: Trotz aller Auseinandersetzungen finden die biblischen Geschwister am Ende, Gott sei Dank, wieder zusammen. Auch Kain wird von Gott vor dem Tod bewahrt. 

In unserer Kirchengemeinde gibt es ebenso drei Geschwister, drei Schwestern: die Christuskirche, die alte Dame, die älteste der drei; die Versöhnungskirche, die Zweitgeborene, die Wuchtige und in ihrer Form und Gestalt Einzigartige und die jüngste Schwester, die Kirche „Zum Guten Hirten“, die Schöne. 90, 55 und 25 Jahre sind sie mittlerweile alt. Die Zweitgeborene gratuliert in diesem Jahr der Erstgeborenen zum 90. und der Jüngsten zum 25. Geburtstag! Wie in den biblischen Geschwistergeschichten ist es nicht immer einfach zwischen den dreien, aber sie raufen sich immer wieder zusammen, wissen sie doch, dass sie ihre fortlaufende Existenz den Menschen dieser Gemeinde verdanken, damit Glaube vor Ort lebbar und sichtbar wird.  

Die Corona-Krise hat so Manches in unserer Kirchengemeinde zum Erliegen gebracht, vor allem aber, dass Sie, liebe Gemeindeglieder, schmerzlich fehlen! Allmählich sind wieder Lockerungen spürbar. Die Hoffnung auf eine wiederkehrende Normalität liegt in der Luft. Die drei Schwestern vermissen Sie! Sie freuen sich auf ein baldiges Wiedersehen mit Ihnen! Vielleicht ja, um Geburtstag zu feiern oder bei einer der vielen Veranstaltungen in allen drei Schwestern in den kommenden Monaten! Bleiben Sie gesund! Bis hoffentlich bald!

Alexander Schmidt, Pfarrer in Garching